03. April 2025 | Marktberichte

Markteinschätzung vom 03.04.2025

Markteinschätzung vom 03.04.2025
US-Importzölle – Verhandlungstaktik oder gekommen um zu bleiben?

Seit dem 2. April, dem von US-Präsident Donald Trump selbsternannten „Liberation Day“, ist nun bekannt, welche Länder von den neuen Importzöllen betroffen sind und in welcher Höhe diese anfallen. Allgemein lässt sich festhalten, dass die angekündigten Zölle am oberen Ende der Erwartungen liegen. Zum einen gilt ein genereller Importzoll von 10 % auf alle in die USA eingeführten Produkte. Zum anderen wird für rund 60 Länder – darunter alle wichtigen Handelspartner wie China, Europa und Japan – ein noch höherer Satz angewendet. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Staaten Gegenmassnahmen zumindest prüfen, was die Gefahr eines eskalierenden Handelskriegs erhöht. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass der freie Welthandel eingeschränkt wird und globale Lieferketten vor einer Neuausrichtung stehen.

Die Schweiz ist mit zusätzlichen Zöllen von 31 % auf ihre Ausfuhren in die USA überraschend stark betroffen. Zum Vergleich: In der EU liegt der entsprechende Satz bei 20 %, in Grossbritannien bei lediglich 10 %. Zwar erzielt die Schweiz im Güterhandel mit den USA einen hohen Exportüberschuss, doch unter Berücksichtigung von Dienstleistungen ergibt sich ein nahezu ausgeglichener Handelsbilanzsaldo. Derzeit bleiben Exporte der Pharma- und Chemiebranche von den neuen Zöllen verschont. Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass auch diese Sektoren zu einem späteren Zeitpunkt betroffen sein werden.

Die Finanzmärkte haben insgesamt negativ auf die Ankündigung reagiert. Vor allem die Aktienbörsen stehen unter erheblichem Preisdruck. Sichere Häfen wie der Schweizer Franken, der japanische Yen und Gold werden stark gefragt und können preislich zulegen. Auch Staatsanleihen profitieren von der gestiegenen Unsicherheit. Die fallenden Aktienkurse spiegeln vor allem die gesunkenen Wachstumserwartungen für die Weltwirtschaft und die Unternehmensgewinne wider. Höhere Zölle lassen sich nur bedingt auf die Endkunden abwälzen, was die Gewinnmargen der betroffenen Unternehmen schmälert.

Entgegen der politischen Rhetorik sind weder die US-Wirtschaft noch amerikanische Unternehmen die grossen Nutzniesser dieser Entwicklung. Viele US-Firmen lassen ihre Produkte in Ländern wie China oder Vietnam günstig fertigen und sind daher besonders stark von Einfuhrzöllen betroffen. Zudem dürften die höheren Preise zu einer Kaufzurückhaltung bei US-Konsumenten führen. Da diese für rund 70 % der Wirtschaftsleistung in den USA verantwortlich sind, droht eine Abschwächung der Wachstumsdynamik. Erste Ökonomen haben ihre Konjunkturprognosen bereits nach unten korrigiert.

Gleichzeitig steigt durch die höheren Importkosten der Inflationsdruck. Diese Entwicklung stellt die US-Notenbank vor ein Dilemma: Stagflationäre Tendenzen – also eine Kombination aus schwächerem Wachstum und steigender Inflation – dürften zunehmen. Damit steht die Fed vor der schwierigen Entscheidung, entweder mit Zinserhöhungen die Preisstabilität zu gewährleisten oder mit einer expansiven Geldpolitik das Wachstum zu unterstützen.

Erschwerend kommt die Unberechenbarkeit der US-Politik hinzu. Nach dem Motto „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ könnte die derzeit harte Haltung von Präsident Trump schon morgen wieder revidiert werden – insbesondere, wenn sich betroffene Handelspartner gesprächsbereit zeigen. Im besten Fall wird er seine Lieblingsrolle als „Dealmaker“ einnehmen und die Zölle je nach Verhandlungsergebnis individuell anpassen. Eine Garantie dafür gibt es jedoch nicht.

Angesichts der zahlreichen offenen Fragen ist es wichtiger denn je, das Portfolio breit zu diversifizieren. Defensive Anlagen wie Gold oder Staatsanleihen bieten Stabilität in unruhigen Zeiten. Gleichzeitig sollten Anleger nicht vorschnell Risikoanlagen wie Aktien in grossem Stil verkaufen. Erfahrungsgemäss folgen auf stärkere Korrekturen oft rasche Erholungsphasen. Diese zu verpassen kann teuer werden, da gerade die ersten Tage einer Gegenbewegung meist besonders dynamisch verlaufen – ähnlich wie bei Markteinbrüchen.